#KWS #History: #Stadtgeschichte #Gütersloh – die Gütersloher Bank – Genossenschaftsidee und Mittelstandsförderung

  • Ein Kapitel Gütersloher Wirtschaftsgeschichte

#Gütersloh, 14. März 2026

Die Geschichte der Gütersloher Bank beginnt in einer Zeit tiefgreifender wirtschaftlicher Veränderungen. In den Jahrzehnten nach dem #Deutsch #Französischen #Krieg von 1870/71 standen #Handwerk und #Kleingewerbe vielerorts unter Druck. #Großindustrie und #Großkapital gewannen an Bedeutung, während für kleinere Betriebe oft nur schwer Zugang zu Krediten bestand.

Auch in Gütersloh war die Situation ähnlich. Zwar existierte im 19. Jahrhundert eine städtische Sparkasse, doch ihre Kreditvergabe blieb aufgrund strenger Sicherheiten begrenzt. Handwerker und Mittelständler mussten sich häufig an private Geldverleiher wenden und erhielten Darlehen oft erst nach langen Verhandlungen und zu ungünstigen Bedingungen.

Die Genossenschaftsidee erreicht Gütersloh

Eine grundlegende Veränderung brachte das Genossenschaftsgesetz von 1889, das auf den Ideen von Hermann Schulze Delitzsch beruhte. Es ermöglichte die Gründung von Kreditgenossenschaften mit beschränkter Haftpflicht und verbreitete sich in Deutschland zunehmend.

In Gütersloh griff eine Gruppe engagierter Bürger diese Idee auf. Zu den treibenden Kräften gehörten unter anderem Bürgermeister Emil #Mangelsdorf, Richard Plange, die Brüder Ludwig und Wilhelm #Stertkamp. Sie verband der Wunsch, dem örtlichen Mittelstand ein eigenes Kreditinstitut zu schaffen.

Am 3. März 1892 wurde schließlich die »Gütersloher Sparbak und Leihbank e. G. m. b. H.« gegründet. Nach formalen Einwänden gegen die Satzung folgte am 19. Mai 1892 im »Schankhaus zur Krone« (später »#Palmeyer«) die endgültige konstituierende Versammlung. Dieser Tag gilt als eigentlicher Gründungstag der Bank.

Erste Organisation und Leitung

Der erste Aufsichtsrat setzte sich aus führenden Persönlichkeiten der Stadt zusammen, darunter #Bürgermeister Mangelsdorf, Richard Plange, Gottfried Stahl, Hermann Saligmann, Wilhelm Berentfänger, Friedrich Groogekamp, August Frentrup, August Meyer, Hermann Marten. Den Vorstand bildeten zunächst Ludwig und Wilhelm Stertkamp.

Die Bank verstand sich von Beginn an als Genossenschaftsinstitut für Handwerk, #Gewerbe und #Mittelstand.

Wachstum und erste Entwicklungsschritte

Schon im 1. Jahrzehnt wuchs die Genossenschaft deutlich – 1892 gab es 77 Mitglieder, nach 10 Jahren 414 Mitglieder, nach 20 Jahren 967 Mitglieder. Mit der steigenden Mitgliederzahl entwickelte sich auch die #Bank organisatorisch weiter. Das zunächst kleine Geschäftslokal wurde bald zu klein. Am 17. Dezember 1916 erwarb die Genossenschaft ein eigenes Gebäude in der Königstraße 36, das zum neuen Bankhaus umgebaut wurde. Bereits 1909 war eine moderne Stahlkammer mit Safefächern eingebaut worden.

Erweiterung des Geschäftsgebiets

Die Bank beschränkte sich nicht nur auf Gütersloh. Es entstanden eine Agentur in #Wiedenbrück (1909), eine Zweigstelle in #Versmold (1916). Eine weitere Agentur in #Rietberg #Neuenkirchen bestand nur kurze Zeit. 1910 legte die Genossenschaft außerdem ihren ursprünglichen Namen ab und trat fortan als »Gütersloher Bank e. G. m. b. H.« auf.

Herausforderungen durch #Krieg und #Inflation

Die Zeit des Ersten Weltkriegs und der anschließenden Inflation stellte das Institut vor große Herausforderungen. Vor dem Krieg waren Geldwerte relativ stabil. Nach 1918 hingegen schwankte der Wert des Geldes täglich. Besonders das Jahr 1923 brachte extreme Unsicherheit. Während dieser Phase beschäftigte die Bank zeitweise rund 30 Mitarbeiter, um die zunehmenden Geschäfts und Verwaltungsaufgaben bewältigen zu können.

Trotz aller Schwierigkeiten gelang es, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Nach der Währungsstabilisierung konnten die Geschäftsanteile der Genossen 1925 wieder um 10 Prozent erhöht werden.

Technische Modernisierung

In den 1920er Jahren begann auch eine technische Modernisierung des Bankbetriebs. Die Bank führte unter anderem elektrische Kopiermaschinen, #Rechenmaschinen, #Schreibmaschinen, moderne Büroeinrichtungen und #Dampffheizung ein. Diese Hilfsmittel erleichterten die Arbeit erheblich und beschleunigten den Geschäftsbetrieb.

Bedeutung für Stadt und Region

Neben ihrer eigentlichen Banktätigkeit engagierte sich die Gütersloher Bank auch im öffentlichen Leben der Stadt. Zu den unterstützten Einrichtungen gehörten beispielsweise örtliche #Schulen, #Sportvereine, der #Turnverein, das Evangelische #Krankenhaus, soziale Einrichtungen, das Sankt Elisabeth Hospital. Auch kulturelle und gesellschaftliche Projekte wurden regelmäßig finanziell unterstützt.

Eine Bank für den Mittelstand

Die Gütersloher Bank verstand sich stets als Selbsthilfeeinrichtung des Mittelstands. Ihre Aufgabe war es, Handwerkern, Gewerbetreibenden und Bürgern Zugang zu Krediten zu ermöglichen und wirtschaftliche Entwicklung vor Ort zu fördern. Damit wurde sie zu einem wichtigen Bestandteil der lokalen #Wirtschaft.

Die genossenschaftliche Idee – gegenseitige Hilfe, gemeinschaftliche Verantwortung und regionale Verbundenheit – bildete dabei das Fundament ihres Erfolgs.

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