DIRAVI – die Lenkung, die nicht fragte – sondern entschied
#Gütersloh, 31. Januar 2026
Es gibt Autos, die unterstützen den Fahrer. Und es gibt Autos, die sagen: »Ich weiß schon, was du willst«.
Die #DIRAVI (Direction assistée à Rappel asservi) #Lenkung gehört eindeutig zur 2. Kategorie. Entwickelt von #Citroën in einer Zeit, in der Ingenieure noch glaubten, man könne das Autofahren logisch perfektionieren, war sie keine Servolenkung im üblichen Sinn. Sie war ein System. Ein Statement. Eine Zumutung. Und: ein #Meisterwerk.
Das Prinzip: Lenken ohne Straße
Im Kern verabschiedet sich die DIRAVI von einer Grundannahme des Automobilbaus: dass die Straße dem Fahrer etwas »sagen« müsse. Bei der DIRAVI gibt es im Normalbetrieb keine mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Rädern. Das Lenkrad ist kein Hebel, sondern ein Steuerventil. Dreht der Fahrer, öffnet oder schließt er hydraulische Kanäle – und Hydraulikdruck bewegt die Räder aktiv.
Äußere Einflüsse?
Schlaglöcher?
Spurrillen?
Seitenwind?
Ignoriert.
Die Räder folgen ausschließlich der #Position des #Lenkrads. Nicht der #Straße. Nicht der #Physik. Nicht dem gesunden #Menschenverstand.
#Zentralhydraulik statt #Muskelkraft
Die DIRAVI ist an Citroëns legendäre Zentralhydraulik gekoppelt – jenes Hochdrucksystem, das gleichzeitig die #hydropneumatische #Federung, die #Hochdruckbremse und eben die #Lenkung versorgt.
Im Lenkgetriebe arbeitet ein Kolben, der von beiden Seiten hydraulisch beaufschlagt wird. Eine Seite steht ständig unter Hochdruck. Gesteuert wird lediglich die Gegenseite – über einen Schieber, der mit dem Lenkrad verbunden ist. In Mittelstellung fließt kein Öl. Das Lenkrad bleibt leicht. Extrem leicht.
So leicht, dass man im Stand mit 2 Fingern lenkt – und sich kurz fragt, ob noch alles angeschlossen ist.
Rückstellung: Das Auto will geradeaus
Was die DIRAVI einzigartig – und berüchtigt – macht, ist ihre aktive Rückstellung. Anders als bei normalen Lenkungen stellen sich die Räder nicht von selbst gerade. Stattdessen gibt es einen zweiten Mechanismus, der das Lenkrad aktiv in die Mittelposition zurückzieht.
Herzscheibe und Rolle
Auf der Lenkwelle sitzt eine sogenannte Herzscheibe – eine speziell geformte Kontur. Eine Stahlrolle wird per Feder gegen diese Scheibe gedrückt. Je weiter das Lenkrad eingeschlagen ist, desto stärker wirkt die Rückstellkraft. Großer Lenkeinschlag gleich großer Wille zur Mitte.
Geschwindigkeit macht #Druck
Die 2. Dimension: Tempo. Über eine #Tachowelle wird ein #Fliehkraftregler angetrieben, der wiederum hydraulischen Druck erzeugt. Dieser Druck verstärkt die Federkraft auf die Rolle – und damit die Rückstellung. Wichtig: Die Lenkunterstützung bleibt immer gleich leicht. Nur die Rückstellkraft wächst. Das fühlt sich bei hohem Tempo so an, als würde die Lenkung schwerer – tatsächlich will das Auto nur mit Nachdruck sagen: »Geradeaus ist eine sehr gute Idee.«
Konsequenz: Lenkrollradius null
Durch diese Logik wird etwas möglich, das sonst kaum erreichbar ist: ein Lenkrollradius von null. Das bedeutet: kein Ziehen beim Bremsen, kein Verreißen bei unterschiedlichen Reibwerten, enorme Spurstabilität. Ein Auto mit DIRAVI bleibt selbst bei einer Vollbremsung auf #Eis und #Asphalt stoisch geradeaus – auch ohne #ABS.
Ingenieurstechnisch: brillant. Fahrerisch: fast unheimlich.
Und dann: #Zündung aus
Hier kommt der Moment, den viele #CX #Fahrer nie vergessen. Motor aus. Hydraulikdruck fällt ab. Die Ventile gehen in Neutralstellung. Die Räder richten sich selbst gerade. Egal, ob man bergauf oder bergab geparkt hat. Egal, wie man vorher eingeschlagen hat. Gerade ist der stabilste Zustand – also wird gerade.
Im flachen #Paris kein Problem. Im #Sauerland oder im #Schwarzwald: ein leiser Fluchmoment.
Fahrzeuge mit DIRAVI
Eingesetzt wurde das System nur in wenigen, ausgesuchten Modellen: #Citroën #SM, Citroën #CX (inklusive #Break, #GTI, #Turbo), Citroën #XM (frühe V6 Versionen, eingeschränkt), #Maserati #Quattroporte II, Maserati #Khamsin. Danach verschwand die DIRAVI. Nicht weil sie schlecht war – sondern weil sie zu konsequent war.
Epilog: Warum wir sie trotzdem lieben
Die DIRAVI war keine Komfortlösung. Sie war ein Gedankenexperiment auf Rädern. Sie setzte voraus, dass der Fahrer aufmerksam ist, bewusst lenkt, bewusst blinkt, bewusst fährt. Und genau deshalb passt auch dieser legendäre CX Blinker dazu, der nicht selbst zurückspringt. Das Auto überlässt nichts dem Zufall – aber alles der Verantwortung.
Die DIRAVI fragt nicht, was man fühlt. Sie sagt einem, was physikalisch sinnvoll ist. Und manchmal – sehr französisch – liegt sie damit völlig richtig.





























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