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Der repräsentative Bau der Gesellschaft »Erholung« (rechts im Bild) mit Portikus in der Kökerstraße (Blick in Richtung Berliner Straße). Foto: Archiv, Informationen zu Creative Commons (CC) Lizenzen
Die Straße, die auf den Bahnhof zuging: ein Porträt der Gütersloher Kökerstraße
Wer heute durch die #Kökerstraße im Herzen von #Gütersloh blickt, sieht eine charmante Mischung aus geschichtsträchtigem Fachwerk und moderner Architektur. Doch kaum eine andere Achse in der Innenstadt hat sich in den vergangenen zwei Jahrhunderten so stark gewandelt. Wo heute gemütlich flaniert wird, pulsierte einst das logistische Tor zur Welt.
Ein Streifzug von den Anfängen des Industriezeitalters bis zur modernen städtebaulichen Wiedergeburt.
Als das Tor zur Welt am Straßenende lag
Um die historische Bedeutung der Kökerstraße zu verstehen, muss man die Uhr um ein Jahrhundert zurückdrehen. Bis zum Jahr 1925 lag am Ende dieser Straße das alte Gütersloher #Bahnhofsgebäude. Damals war sie als »#Bahnhofstraße« die absolute Lebensader der Stadt – die erste Straße, die Reisende sahen, wenn sie in Gütersloh ankamen.
Schon früh genoss die Straße eine Sonderrolle in der städtischen Infrastruktur: Bereits im August 1836 wurde sie als eine der allerersten »Nebenstraßen« in Gütersloh gepflastert. Als die Stadtverordneten 1894 beschlossen, die Bürgersteige flächendeckend mit Zementplatten oder Klinkern auszubauen, war es auch die Kökerstraße, an der innovative, schlitzgesägte Regenwasserabflusskästen aus Eisen erprobt wurden – Zeugen dieser frühen Ingenieurskunst lassen sich noch heute in den versteckten Innenhöfen der Straße entdecken. Ihren heutigen Namen verdankt sie schließlich einer der prägenden alten Gütersloher Bürgerfamilien: der Familie #Köker.
Zwischen Prachtbauten und jüdischer Kaufhausgeschichte
Architektonisch spiegelt die Straße bis heute das Selbstbewusstsein des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts wider. Ein prominentes Beispiel ist das denkmalgeschützte Gebäude in der Kökerstraße 10, das mit seiner klassizistischen Fassade stellvertretend für den großbürgerlichen Baustil der Gründerzeit steht.
Doch die Kökerstraße erzählt auch von den dunkelsten Kapiteln der deutschen Geschichte. An der markanten Ecke zur Berliner Straße befand sich einst das jüdische Kaufhaus Wiesenhöfer. Im Jahr 1928 von den jüdischen Brüdern #Gottschalk erbaut, war es über Jahre hinweg ein Fixpunkt des Gütersloher Einzelhandels. Unter dem Druck der Nationalsozialisten mussten die Eigentümer das florierende Textilkaufhaus im Jahr 1938 aufgeben. In den Nachkriegsjahrzehnten – als das Haus längst neu bespielt wurde – war der Ort Schauplatz legendärer Events: Sogar Entertainer #Roberto #Blanco lockte hier bei einer #Modenschau des Hauses mit Live #Musik die Massen an.
Kulturidylle und die Katastrophe von 2020
Geht man heute ein paar Schritte weiter in Richtung der Martin Luther #Kirche, verändert sich das Bild. Hier atmet die Straße pure westfälische Identität. In einem malerischen Ensemble aus 18. und 19. Jahrhundert alten Fachwerkhäusern ist das beliebte Stadtmuseum Gütersloh untergebracht. Direkt nebenan verläuft das weltberühmte Trommelpättken – ein historisch enger Verbindungspfad, der den Kern der alten Stadtstruktur markiert.
Dass die Straße heute so modern wirkt, liegt jedoch auch an einem dramatischen Ereignis: In der Nacht des 6. August 2020 kam es in der Kökerstraße 6 bis 8 zu einem verheerenden Großbrand. Ein Feuer, das unter einer Arkade ausbrach, zerstörte ein #Elektrogeschäft und das darüber liegende #Hotel vollständig. Die Feuerwehr rettete in einer dramatischen Atemschutz Aktion 15 Hotelgäste aus den verrauchten Etagen. Zurück blieb mitten im historischen Zentrum eine klaffende Brandruine.
Ein neues Gesicht für die Zukunft
Die Ruine entwickelte sich jedoch schnell zum Startpunkt für ein viel beachtetes städtebauliches Projekt. Unter enger Abstimmung zwischen dem Gestaltungsbeirat der Stadt und lokalen Denkmalschützern wurde die Ruine durch das renommierte Abbruchteam Hagedorn zurückgebaut und ein anspruchsvoller Neubau realisiert.
Innerhalb von weniger als zwei Jahren Bauzeit schuf die Firma #Porr #Hochbau ein modernes Wohnhaus und Geschäftshaus mit 28 Mietwohnungen und einer integrierten #Tiefgarage. Das Besondere: Die hochwertige Klinkerfassade und die hochformatigen Fenster fügen sich ganz bewusst und harmonisch in das denkmalgeschützte Fachwerk Umfeld des Stadtmuseums ein. Tradition trifft Moderne – ein Konzept, das auch gastronomisch in der Straße gelebt wird. So lädt beispielsweise das beliebte kulinarische Konzept Bankery in der Kökerstraße 5 zu einer einzigartigen Symbiose aus gehobener mediterraner Küche und modernem Bank Ambiente ein.
Die Kökerstraße hat ihren #Bahnhof vor über 100 Jahren verloren – doch ihren Charakter als lebendige, sich ständig neu erfindende Herzkammer der Gütersloher Innenstadt hat sie bis heute behalten.
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