Webcard, Branche »Bandwebereien«
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Wer heute durch Gütersloh fährt, denkt meist an Unternehmen wie Miele oder Bertelsmann. Weniger bekannt ist, dass die Stadt über viele Jahrzehnte auch ein bedeutender Standort der Textilindustrie war. Zu den traditionsreichsten Unternehmen dieser Branche gehört die #Bandweberei und #Gurtweberei Güth & Wolf.
Das Unternehmen wurde 1887 von Konrad Güth und Wilhelm Wolf gegründet. Aus einer kleinen Band- und Gurtweberei entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte ein international tätiger Spezialist für technische Textilien. Bis heute befindet sich das Unternehmen im Familienbesitz.
Weben für Industrie und Alltag
Während klassische Textilunternehmen häufig Kleidung oder Stoffe herstellten, konzentrierte sich Güth & Wolf auf schmale Gewebe – also Bänder, Gurte und technische Textilien. Diese Produkte begegnen uns im Alltag oft unbemerkt: in Sicherheitsgurten, Rucksäcken, Hundeleinen, Hebegurten und Zurrgurten, Sportartikeln oder industriellen Anwendungen.
Heute produziert das Unternehmen nach eigenen Angaben täglich mehr als eine Million Meter Bänder und Gurte. Die Erzeugnisse werden weltweit eingesetzt.
Ein Stück #Industriegeschichte an der #Dalke
Das Stammwerk befindet sich an der Herzebrocker Straße in unmittelbarer Nähe der Dalke. Die Lage am Gewässer war kein Zufall. Wasser spielte in vielen Bereichen der #Textilproduktion eine wichtige Rolle. Noch heute nutzt Güth & Wolf als eines der wenigen Unternehmen in Gütersloh Dalkewasser für betriebliche Zwecke.
Das Werksgelände prägt seit Generationen das Stadtbild. Hinter den historischen Fassaden arbeiten moderne Webmaschinen, die technische Gewebe für unterschiedlichste Branchen herstellen.
Wandel einer Branche
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert gehörten Textilunternehmen zu den wichtigsten Arbeitgebern der Stadt. Viele dieser Betriebe verschwanden im Laufe der Zeit durch Strukturwandel, internationalen Wettbewerb und veränderte Produktionsbedingungen.
Güth & Wolf zählt zu den wenigen Unternehmen dieser Tradition, die bis heute bestehen. Damit ist die Firma nicht nur ein erfolgreicher Industriebetrieb, sondern auch ein lebendiges Zeugnis der Gütersloher Industriegeschichte.
Erinnerungen an die Arbeitswelt
Wie stark sich Arbeit und Ausbildung in den vergangenen Jahrzehnten verändert haben, zeigt ein Geschichtsprojekt Gütersloher Schüler aus dem Jahr 2005. Im Mittelpunkt standen die Geschichte von Güth & Wolf und die Erfahrungen ehemaliger Mitarbeiter. Die Untersuchung dokumentierte den Wandel von Arbeitsabläufen, Berufsbildern und Ausbildungswegen vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis in die Gegenwart.
Bedeutung für das Open Stadtmuseum
Güth & Wolf steht exemplarisch für die industrielle Entwicklung Güterslohs. Das Unternehmen verbindet die Geschichte der Textilindustrie mit moderner Produktion und internationaler Ausrichtung. Während viele frühere Webereien verschwunden sind oder andere Nutzungen erhielten, wird an der Herzebrocker Straße bis heute gewebt – seit mehr als 130 Jahren.
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