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Das Eisenbahn Unglück von Avenwedde bei Gütersloh vom 21. Januar 1851, Zeichnung aus der »Illustrirten Zeitung«, Leipzig., Informationen zu Creative Commons (CC) Lizenzen
#Avenwedde gehört zu den ältesten Siedlungsgebieten im heutigen Stadtgebiet von Gütersloh. Die erste urkundliche Erwähnung datiert auf den 17. April 1196. Damals wurde die Bauerschaft als »Ovenwide« bezeichnet. Bis heute unterscheidet sich Avenwedde von vielen anderen Orten der Region durch seine besondere Struktur: Der Ort entstand nicht um einen zentralen Dorfkern, sondern entwickelte sich als weitläufige Streusiedlung mit Höfen, Wegen und kleinen Siedlungsinseln.
Über die Herkunft des Namens gibt es unterschiedliche Deutungen. Eine Erklärung leitet »Avenwedde« vom altniederdeutschen Begriff für eine Schafsweide ab. Eine andere sieht den Ursprung in einem Waldgebiet, das einem Hofbesitzer namens Ovo gehörte. Aus der ersten Deutung entstand später auch das Gemeindewappen mit dem goldenen Widder auf schwarzem Grund.
Viele ältere Einwohner kennen Avenwedde außerdem unter dem Namen »#Bonewie« oder »#Bonnevie«. Der Überlieferung nach geht diese Bezeichnung auf die französische Besatzungszeit unter #Napoleon zurück und soll sich vom französischen »bonne ville« – schönes Dorf – ableiten.
Jahrhundertelang gehörte Avenwedde zum Amt Reckenberg, einer Exklave des Hochstifts Osnabrück. Nach mehreren politischen Umbrüchen während der napoleonischen Zeit fiel die Region schließlich 1815 dauerhaft an Preußen. Von 1816 bis 1888 bildete Avenwedde gemeinsam mit #Kattenstroth #Spexard und #Lintel eine Großgemeinde im Kreis Wiedenbrück.
Einen tiefgreifenden Wandel brachte die Eisenbahn. Mit dem Bau der Köln Mindener #Eisenbahn in den Jahren 1846 und 1847 erhielt die Region Anschluss an eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen Deutschlands. Nur wenige Jahre später ereignete sich hier ein Kapitel deutscher Eisenbahngeschichte: Am 21. Januar 1851 entgleiste bei Avenwedde ein Zug. Drei Menschen kamen ums Leben. Unter den Reisenden befand sich auch der spätere Kaiser Friedrich III., der das Unglück überlebte. Der #Unfall gilt als das erste #Eisenbahnunglück in Deutschland mit mehreren Todesopfern.
1914 entstand das Amt Avenwedde mit den Gemeinden Avenwedde, #Friedrichsdorf und Spexard. Der neue Verwaltungssitz sollte die Wege für die Bürger verkürzen, da die Amtsgeschäfte zuvor in Wiedenbrück erledigt werden mussten. Aus bescheidenen Anfängen in den Räumen einer Gastwirtschaft entwickelte sich eine eigene Amtsverwaltung.
Heute umfasst Avenwedde die Bereiche Avenwedde Mitte, Avenwedde Bahnhof und Avenwedde Nord. Besonders der Bahnhofsbereich prägte die Entwicklung des Stadtteils im 20. Jahrhundert. Dort entstand unter anderem die Christuskirche, die seit den 1960er Jahren ein wichtiger Mittelpunkt des Gemeindelebens ist.
Mit der kommunalen Neugliederung wurde Avenwedde am 1. Januar 1970 in die Stadt Gütersloh eingegliedert. Trotz des Wachstums und der städtischen Entwicklung hat sich der Stadtteil bis heute einen Teil seines ursprünglichen Charakters bewahrt: Zwischen Wohngebieten, Gewerbe, Bahnlinie und alten Hofstellen sind die historischen Wurzeln der ehemaligen Bauerschaft vielerorts noch erkennbar.
Avenwedde ist damit nicht nur einer der größten Stadtteile Güterslohs, sondern auch ein Ort, an dem sich mehr als 800 Jahre westfälischer Siedlungs und Regionalgeschichte nachvollziehen lassen.
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